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Wie kann ich mir und meinem Nervensystem helfen?

Die Welt und unser Leben auf diesem Planeten verändert sich gerade rasend schnell. Wir erleben auf politischer und wirtschaftlicher Ebene Dinge, die viele von uns nicht (mehr) für möglich gehalten haben. Andere haben es lange kommen sehen. Viele von uns haben in ihrem privaten Leben mit Ereignissen und Themen zu tun, die sie sehr auf Trab halten, herausfordern, zweitweise vielleicht etwas überfordern. Ich höre in den letzten Wochen und Monaten (Jahren) von sehr vielen Menschen, die mit mir arbeiten, von teils existenziellen Veränderungen, mit denen irgendwie umgegangen werden muss.
Selbst, wenn jemand in diesen Jahren auf diesem Planeten lebt und von sich sagen kann: „Keine Ahnung, wovon die anderen reden, mir und den meinen geht es sehr gut, vielleicht sogar so gut wie noch nie!“, so spüren doch die meisten Menschen, dass sich etwas verändert hat.
Die Zeit scheint wesentlich schneller zu vergehen, Ereignisse rasen hintereinander her, so dass viele das Gefühl haben, gar keine Zeit mehr für sich oder für schöne Dinge zu haben, weil noch das und das und das erledigt werden muss und dann ist der Tag auch schon wieder vorbei.
Vieles ist teurer geworden, vieles ernster, einiges bedrohlicher. Wir hören, wenn wir denn Nachrichten hören, von Menschen irgendwo auf der Welt, die in entsetzlichen Umständen leben müssen. Das war „immer“ schon so, gefühlt, aber trotzdem, es scheint, als wären mehr Menschen von den Ereignissen betroffen und sei es auch „nur“ emotional.
Beziehungen und Kontakte wandeln sich rapide. Plötzlich stimmt es nicht mehr zwischen jahrzehntelangen Freunden. In der Liebesbeziehung kriselt es, man findet mit den Kollegen oder Vorgesetzten keine gemeinsame Ebene mehr und fragt sich, was eigentlich los ist und wie es weitergehen soll.
Ich höre immer mal wieder von Menschen Ausdrücke wie „ich komme mir vor, wie im freien Fall“ oder „als würde alles verlässliche um mich herum weg brechen“.
All das (und noch viel mehr) beeinflusst uns auf mehr Ebenen, als man es meint. 
Was hat das Leid oder das Chaos in anderen Ländern mit mir zu tun, könnte man fragen. 
Mir geht es doch gut, ich habe keine finanziellen Probleme, meine Beziehungen sind stabil, mein Arbeitsplatz sicher.
Und doch. Es vergeht seit längerer Zeit kaum eine Sitzung in meiner Praxis, in der es nicht (auch) darum geht, ein übererregtes Nervensystem beruhigen zu lernen.
„Ich bin total durch den Wind“, „Mir geht vieles viel zu schnell“
„Ich kann mich schlecht konzentrieren/komme nicht zur Ruhe/kann mich nicht mehr entspannen“,
etc., etc.
Manchmal bin auch ich diejenige, die einen sehr hektischen, angespannten, „wilden“ Zustand anspricht, da er demjenigen Menschen gar nicht richtig bewusst ist. Er merkt es vielleicht erst im Unterschied, wenn wir uns eine Zeit lang mit der Regulation seines Nervensystems beschäftigt haben und sein Körper langsam wieder in einen ruhigeren, harmonischeren Zustand zurück findet. Wenn die Energie sich langsam beruhigt, man wieder klarer sieht, man mehr mitbekommt „ich bin hier und jetzt“, kann man zurückspürend feststellen, wie viel Tempo und Unruhe vorher da war.

Was ein etwas anderes Thema ist, hier aber auch erwähnt werden soll, sind kreisende Gedanken. Sie rühren oft von verdrängten Gefühlen her, die jetzt an die Oberfläche kommen, um gefühlt zu werden. Gefühle wollen gefühlt werden. Gefühle sind Feedbackgeber, Zustandsanzeiger. Oft kommt etwas an die Oberfläche, weil die Zeit reif ist, weil der Mensch so stark und stabil geworden ist (selbst, wenn sich das gar nicht so anfühlt), dass diese Gefühle jetzt sicher gehalten werden können (im Gegensatz zur Ursprungszeit, wo sie evtl. überwältigend oder in einer Art gefährlich waren, da sie Beziehungen hätten verändern können). Oder sie werden durch ein äußeres Ereignis angeregt, man erinnert sich an etwas und die entsprechenden Gefühle kommen hoch. Wir sind es als Gesellschaft nicht wirklich gewohnt, gut und gesund mit unseren Gefühlen umzugehen. Gefühle sprechen immer eine gewisse „Wahrheit“ aus, die, je nach Situation, oft unerwünscht ist. Es wäre aber durchaus wünschenswert, wenn diese Wahrheiten immer mehr ans Tageslicht kommen dürften. Damit wir uns als Individuen immer klarer und ehrlicher zeigen könnten. Je nach Situation, versteht sich und auf eine gute Art und Weise. Mit viel Liebe, Verständnis und Mitgefühl mit sich und dem Gegenüber. Aber natürlich gibt es auch Situationen, wo es notwendig ist, deutliche Worte auszusprechen, Grenzen zu ziehen, möglicherweise einen Kontakt zu beenden oder deutlich zu verändern. 
Kreisende Gedanken also gründen oft in Gefühlen, die sich ausdrücken möchten. Und dieser Zustand kann auch zu einer gewissen Unruhe führen, weil man vielleicht so konditioniert worden ist, dass der Ausdruck der Gefühle oder bestimmter Gefühle tabu war.
Es kann gut helfen, in solchen Momenten sich zu fragen „was möchte hier gefühlt werden?“ oder „was möchte sich zeigen/an die Oberfläche kommen?“.

Hier jetzt ein paar Dinge, die bei der Regulation des Nervensystems helfen können.
Das Ziel ist immer, sich wieder mehr spüren zu können, zurück ins „Hier und Jetzt“ zu kommen, wieder Boden unter die Füße zu bekommen.

(Die Liste ist wahrscheinlich unendlich erweiterbar, dies sind nur Anregungen. Es macht tatsächlich viel Sinn, eine eigene „Notfall-Liste“ für eine „Nervensystem in Not“ zu erstellen und greifbar zu haben!!) (Die Abfolge ist zufällig und enthält keine bewusste Rangfolge oder Wertung!):

Musik (je nachdem, was man braucht: lebendig, beruhigend, es ist gut, verschiedenes zur Verfügung zu haben)
Kontakt zu „guten“ Menschen (über welches Medium auch immer, wenn sie nicht life verfügbar sind, „gut“ meint hier: ich kann mit „meinem“ zu ihnen kommen, kann über mein Inneres sprechen, wenn ich Unterstützung brauche, der Erfahrung nach geht es mir mit diesem Menschen danach besser)
Medien: Filme, Bücher, YouTube, etc. (nicht unbedingt zum „Ablenken“ sondern zum bewussten Verändern der eigenen Stimmung und Frequenz. Wenn ich niedergeschlagen bin, ist es vielleicht nicht so ratsam, Dinge zu lesen oder anzuschauen, die mich verzweifeln lassen oder überfordern)
Bewegung, gerne auch an der frischen Luft (von kleinen, achtsamen, ruhigen Bewegungen, wie wir sie in der Therapie anwenden bis hin zum strammen Gang oder schweißtreibenden Sport, vielleicht sogar mit anderen)
Bewegung zu Musik, alleine oder mit anderen
Kontakt zu Menschen, Tieren, Pflanzen (hier gemeint: auch Menschen, die man nicht kennt, Supermarkt etc.)
Wasser (Baden, Duschen, das Gesicht eintauchen, am Wasser sein)
Natur allgemein (kann sehr entlastend, klärend wirken)
Schönes betrachten, sich mit Schönem umgeben (für den einen der Baumarkt, für den anderen ein Kunstmuseum…)
Nahrungszubereitung, etwas leckeres Essen, allein oder mit anderen (solange es kein „Wegmachen“ enthält)
kreativ sein, allein oder mit anderen (von Holzarbeiten über Garten, Musik machen, malen, die Wohnung umdekorieren, Basteln, Handwerken, Schreiben, etc.)