Eine Übung für Präsenz und Entspannung
„Ich bin eine Insel“ - Übung
Wie geht es Ihnen?
Wie geht es Ihrem Körper?
Wie geht es Ihrem Nervensystem?
Wie geht es Ihren Gefühlen?
Kommen Sie täglich gut zur Ruhe?
Können Sie sich täglich gut zentrieren, bei sich bleiben, klar und pragmatisch denken, sich gut orientieren, nachhaltige Entscheidungen fällen, stimmig und ruhig mit anderen in Kontakt gehen?
Wie steht es um Ihren Selbstwert, Ihre Selbstliebe?
Wie steht es um Ihre Bedürfnisse? Können Sie die liebevoll und fürsorglich erfüllen?
Wie reagieren Sie auf Schwierigkeiten, Konflikte, Provokationen, reale oder vermeintliche Bedrohungen?
Ich könnte noch mehr fragen…
Die Antworten auf Fragen dieser Art sind so entscheidend.
Die eigene Regulationsfähigkeit, die eigene Möglichkeit, sich zu beruhigen, zu wärmen, sich Halt und Kraft, Stütze, Wert zu geben, der eigene weise Ratgeber zu sein, sich gut zu versorgen etc. hat einen immensen Einfluss auf unser psychisches, physisches, energetisches, spirituelles Wohlbefinden.
Es gibt zur Erfüllung dieser Wünsche, Notwendigkeiten und Bedürfnisse viele Möglichkeiten und Wege.
Ich möchte Ihnen hier einen anbieten.
Stellen Sie sich eine Insel vor. Egal, ob groß oder klein, egal ob Nordmeer oder Südpazifik, so wie es Ihnen gefällt. Karge Felsen oder wedelnde Palmen, Delphine oder Basstölpel. Wir Menschen sehen von einer Insel naturgemäß meist nur den obersten kleinen Teil, wie die berühmte Spitze eines Eisbergs. Stellen Sie sich nun den Teil vor, der unter Wasser liegt. Den uralten, harten, stabilen Fels, auf dessen Oberfläche sich im Laufe von Jahrmillionen Flechten, Moos, Erde, Pflanzen, Bäume gebildet haben. Auf der heute eine mehr oder minder prächtige Vegetation und Tierwelt lebt. Stellen Sie sich diesen mächtigen Fels vor, der tief und tiefer ins Meer hineinragt, der, wenn Sie ihn bis zum unteren Ende hin verfolgen ein Teil des noch viel mächtigeren Felsmassivs dieses wunderbaren Planeten Erde ist, auf dem wir leben.
(Und es mag sein, dass es auch andere Inselarten gibt aber wir brauchen für diese Übung diese.)
Sehen Sie nun vor Ihrem inneren Auge die verschiedenen Wetterphänomene und Jahreszeiten, die rund um die Insel im Verlauf der Zeit herrschen.
Ruhige See, Flaute, Sonne, Nebel, Wärme, Kälte, leeres Wasser, Massen an Segelbooten, Schiffen, Luftmatratzen, U-Boote, Flugzeuge. Wind, Sturm, Orkane, Hagel, Schnee, Eis, tosende Unwetter. Laue Sommerbrisen. Heftige Gezeiten. Sand wird verweht, verwirbelt, abgetrieben, angespült. Schiffe kentern, Luftmatratzen kippen um.
Lärm, Ruhe. Menschen kommen und gehen, führe Krieg, feiern Feste, lieben sich, hassen sich. Sandburgen werden gebaut, bunte Sonnenschirme errichtet, Eis geschleckt.
Interessiert das alles den festen, stabilen Kern der Insel?
Lässt er sich in seinem Sein dadurch beeinflussen?
Wird er unruhig, nervös, ängstlich, traurig? Fühlt er sich bedroht, wenn starker Wellengang ist oder entspannt er sich nur, wenn die Sonne scheint?
Nehmen wir jetzt Wetter, menschengemachte Ereignisse, Veränderungen (allmählich oder plötzlich) als äußere Phänomene und als innere Reaktionen und vor allem als Gefühle.
Wenn Sie die Insel sind, wie sehr lassen Sie sich von äußeren Ereignissen, Veränderungen, ihren eigenen Körperreaktionen und Gefühlen aus der Bahn bringen?
Wie sehr können Sie schon „der Fels in der Brandung“ sein?
Wie fühlt es sich an, wenn Sie sich dieses Bild verinnerlichen: Sie als der riesige, mächtige Fels, der mit dem noch viel mächtigeren Felsmassiv des ganzen Planeten verbunden ist.
Wie merkwürdig wäre es, wenn der ganze Planet sich fürchterlich erschreckt, weil irgendwo gerade ein Sturm herrscht.
Wie merkwürdig wäre es, wenn eine Insel zu zittern beginnt, weil sich ein laut dröhnendes Schiff seinen Gestaden nähert.
Versteckt sich die Insel bei Sturm- oder Hitzewarnung im Wasser?
Nein. Tut sie nicht.
Vielleicht können Sie mit diesen Bildern etwas anfangen, vielleicht helfen Sie Ihnen dabei, etwas anders mit Ihrem Innern umgehen zu können.
Wie immer: meist erleben wir nicht die heiß ersehnte Soforthilfe, „den“ Tipp, der ein „Problem“ ein für alle Mal innerhalb von 5 Minuten aus dem Leben entfernt.
Üben ist wie meist das Zauberwort.
Wenn Ihnen das Bild mit der Insel zusagt, nehmen Sie es mit in Ihren Alltag. Vergegenwärtigen Sie es sich immer wieder, so oft wie möglich. Oft üben wir etwas dreimal, vergessen es dann und wundern uns, dass es nicht wirkt.
Immer wieder. Wir denken seit 43 Jahren selbstkritische Gedanken, die wirken super, weil sie so gewohnt sind. Nach drei Mal Inselübung spürt man vielleicht eine Veränderung aber die wird wahrscheinlich verpuffen, wenn man nicht weiter übt.
Bleiben Sie dran. Sein Sie diszipliniert, hartnäckig, halten Sie durch. Machen Sie weiter. Werden Sie zu dem mächtigen, ruhigen, gelassenen Inselmassiv, das selbst im stürmischten Wetter klar und pragmatisch in die Welt schaut.
Ihnen alles Gute.