Was ist ein Trauma?

 

 

 

Viele Menschen verstehen nicht, was mit ihnen los ist, sie wissen nur: irgendetwas stimmt nicht! Ich bin anders als andere! Ich bin gefangen, ausgeschlossen von dem Leben, was die anderen leben!

Sie leben mit Angst, inneren Dämonen, erschreckenden Bildern/Geräuschen/Gerüchen/Empfindungen, die sie nicht einordnen können.

Niemand kann ihnen erklären, was sie wahrnehmen, wenn sie sich überhaupt trauen, mit jemandem darüber zu sprechen. Oft wird gar nicht über das geredet, was einen so sehr belastet, so sehr, dass man oft nicht mehr wirklich am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann. Es gibt Menschen, die von sich sagen: „ich fühle mich, als wäre ich ein Alien!“

Es fühlt sich vielleicht an wie sich selbst nicht leiden können oder sich sogar hassen. Wie im Krieg mit sich selbst oder der Welt zu liegen. Irgendwie ist immer irgendetwas falsch, ist man selber immer falsch. Woher wissen die anderen, wie das geht: leben?

 

Ein Trauma ist jedes Ereignis, das unsere Schutzhülle verletzt und uns mit einem Gefühl der Überwältigung und Hilflosigkeit zurücklässt. Traumatisierende Erlebnisse haben vielerlei Gestalt: Verkehrsunfälle, Stürze, Operationen, medizinische Behandlungen, schwere Krankheiten, Verletzungen oder der Verlust eines nahen Menschen gehören genauso dazu wie Gewalt, Krieg, Naturkatastrophen oder Missbrauch.

Grundsätzlich stehen uns in solchen Situationen drei angeborene Überlebensstrategien zur Verfügung: Flucht, Kampf oder Totstellreflex (Erstarrung).

Gelingt uns Flucht oder Kampf, stellt sich im Organismus meist das natürliche Gleichgewicht wieder ein. Können die ersten beiden Optionen allerdings nicht erfolgreich ausgeführt werden, greift der Totstellreflex. Die zuvor gebundenen Energien bleiben im Körper gefangen und werden nicht entladen. Diese im Nervensystem gebundene Energie nennen wir Trauma.

Man kann Trauma also definieren als die biologisch unvollständige Antwort des Körpers auf eine als lebensbedrohlich erfahrene Situation.

 

Welche Folgen hat ein Trauma?

 

Wenn diese Energien nicht gelöst sind, reagiert der Organismus als würde die Bedrohung weiterhin bestehen. Die in der Gegenwart zu beobachtenden Verhaltensmuster, Reaktionsweisen, Überzeugungen, Gefühle und Gedanken der Person sind oft noch mit den erschreckenden Erfahrungen der Vergangenheit gekoppelt.

Für die Betroffenen entstehen verwirrende, beängstigende psychische und somatische Symptome wie beispielsweise Übererregbarkeit, Ängste, Panik, Depressionen, Schlaflosigkeit, Bindungsunfähigkeit oder chronische Schmerzen.

 

 

Wie funktioniert Somatic Experiencing (SE)?

 

Mit SE wird das traumatische Ereignis körperlich und geistig neu verhandelt. Dabei ist nicht das Ereignis selbst entscheidend, sondern vielmehr die Reaktionsweise des Nervensystems, d.h. Wie die physiologischen Regulationskräfte mit der Bedrohung fertig geworden sind.

Mit SE ist es möglich, ohne Inhalt oder Erinnerung zu arbeiten, wenn das Erlebnis zu belastend erscheint. Eine mögliche Re-Traumatisierung wird vermieden, indem die im Nervensystem gebundene Energie schrittweise zur Entladung kommt.

Wesentliche Elemente im Heilungsprozess sind:

Ressourcenbildung, Erdung, Zentrierung, und das Nachspüren (Tracking) der Körperempfindungen, der Verhaltensweisen, Gefühle, Gedanken, der Bilder und Bewegungen.

Zuerst werden mit den Klienten jene Ressourcen entwickelt, die während der ursprünglichen Situation fehlten oder unzureichend waren. Auf dieser gestärkten Basis erfolgt dann die Annäherung an das Trauma.

Im Pendeln zwischen den Ressourcen und der für das Nervensystem überwältigenden Erfahrung wird die gebundene Überlebensenergie gelöst.

Die Veränderung erfolgt bewusst in kleinen Schritten, damit das System sie auch wirklich integrieren kann.

So kann der Körper die Reaktion auf die Bedrohung auf natürliche Weise zum Abschluss bringen und damit die mobilisierte Energie entladen.

Auf diese Weise findet das Nervensystem wieder zu seiner ursprünglichen Selbstregulationsfähigkeit zurück, die Symptome können sich lösen.“

 

(Entnommen aus dem aktuellen SE-Informationsflyer des Vereins Somatic-Experiencing Deutschland.)

 

 

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